AKTUELLES

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05.03.2019

Unsere Veranstaltungen im März

04.03.2019

Rückblick: Projektwoche Flucht und Asyl an der Evangelischen Sekundarschule Haldensleben

Rückblick über das Bildungsangebot „ProAsyl“

 

Bekommen Flüchtlinge eigentlich wirklich 1000 Euro im Monat? Und woher haben sie ihre schicken Handys und die Markenklamotten? Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht und wohin sind sie geflüchtet? Bestimmt alle nach Europa – oder? Fragen über Fragen. Die Antworten sind nicht immer leicht zu finden bei all dem Halbwissen, was in der Welt herum geistert. Im Februar begann mein Praktikum beim Weltladen Magdeburg / Magletan e.V. und ich durfte in den ersten Tagen an einer Projektwoche zu den Themen Flucht, Asyl und Migration an der Evangelischen Sekundarschule Haldensleben teilnehmen. Dort bekam ich viele Antworten.

Verschiedene Mitarbeitende vom Weltladen haben in Tandem-Teams, bei denen immer einer der Personen eine Flucht/Migrationsgeschichte hat, mit Lehrpersonal, Schülerinnen und Schülern vom 11. bis 15. Februar Projekte zu besagten Themen durchgeführt. Dabei haben sie verschiedene Methoden genutzt und eine Menge Sozialkompetenz an den Tag gelegt. Denn es ist nicht einfach über Themen wie die sogenannte „Flüchtlingskrise“ zu sprechen.

 

Die Projektwoche begann mit einem Seminar für die Lehrerinnen und Lehrer, in dem das Konzept und die Methode vorgestellt wurde. Dies diente zur Veranschaulichung, was die Schüler die Woche über erwarte. In einer spielerischen Form mit einigen Ergänzungen wurde das Projekt dann an den folgenden Tagen für die siebten bis zehnten Schulklassen durchgeführt. Zusätzlich wurde allen Teilnehmern die ganze Woche über eine Ausstellung von ProAsyl mit dem Titel „Asyl ist Menschenrecht“ frei zugänglich gemacht. Ich selbst war am ersten Tag beim Lehrer-Seminar und am vierten Tag mit den beiden neunten Klassen als Hospitantin dabei und möchte meine Eindrücke mit euch teilen.

 

 

Die Themen Flucht, Migration, Asylpolitik und alles was dazu gehört haben mich schon vorher beschäftigt und ich habe mich bereits mit vielen Meinungen und Fakten auseinandergesetzt. Das habe ich nicht nur aus eigener Kraft heraus gemacht, sondern wurde durch mein Umfeld dazu angeregt. Jede Person bezieht unterschiedliche Informationen aus einer Vielzahl an verlässlichen und weniger verlässlichen Quellen. Daher finde ich es wichtig, dass Menschen – insbesondere Kinder und junge Erwachsene – nicht nur auf sich allein gestellt nach Informationen suchen. Im Internet z.B. findest du widersprüchliche oder falsche Informationen und Meinungen, die fälschlicherweise als Fakten präsentiert oder interpretiert werden. Die Projekttage haben mir und anderen, auf eine Art und Weise, viele neue und verlässliche Informationen zuteilwerden lassen, die sehr einprägsam ist. Die angewandten Methoden erforderten nicht nur visuelle und auditive Aufmerksamkeit, sie erforderten ein Mitdenken und Mitmachen. Eine Übung gestaltete sich folgendermaßen: Auf einer großen Weltkarte sollten anteilig zu jedem Kontinent nacheinander jeweils die Bevölkerungszahl, die Wirtschaftskraft und die Anzahl an sich dort aufhaltenden Geflüchteten geschätzt und zugeordnet werden. Hierfür wurden Klötzchen, Geldscheine und Pappkarten auf den Kontinenten verteilt, um die Verhältnisse anschaulich darzustellen.

 

Anschließend erfolgte eine Auswertung und Korrektur der Ergebnisse mit einigen Überraschungen. Denn die meisten Geflüchteten halten sich nach wie vor im Heimatland auf, nur wenigen gelingt die Flucht nach Europa. Aus diesen Antworten ergeben sich wichtige Fragen: Warum denken wir, dass so viele Geflüchtete in Europa sind? Die Schülerinnen und Schüler hatten darauf gute Antworten: „Weil wir hier in Deutschland leben und sie sehen. Die in Asien sehen wir ja nicht!“ oder „Weil manche Leute sagen, hier wären schon so viele Flüchtlinge.“ Sie haben ein hohes Maß an Selbstreflexion gezeigt und manche haben nicht nur einen Perspektivenwechsel vollzogen, sondern auch ihre Vorurteile reflektiert oder ihre Meinung geändert. So haben wir uns an einem Tag von faktenbasierten Inputs über Perspektivenwechsel bis hin zum Austausch persönlicher Erfahrungen durch die Themenlandschaft bewegt und einige Denkanstöße gegeben und bekommen. Ziel war es dabei nie, Meinungen zu schaffen oder zu ändern. Aber Menschen dazu anzuregen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und sich dann anhand umfassender Informationen eine eigene Meinung zu bilden. Wir können dabei helfen, Motivation zu schaffen und den Zugang zu verlässlichen Quellen und Informationen erleichtern. Am Ende eines jeden Tages erfolgte ein persönliches Gespräch mit einem Menschen mit Migrationshintergrund und/oder Fluchtgeschichte. Viele Kinder waren sehr beeindruckt von der Offenheit, die ihnen entgegengebracht wurde und mit der ihre Fragen beantwortet wurden. Eine Aussage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Sie stammt von einem Teamer aus dem westafrikanischen Land Niger, der schon seit einigen Jahren in Deutschland lebt und zurzeit in Magdeburg wohnt. Er antwortete auf die Frage, ob er Probleme mit Rassismus habe: „Ja, jeden Tag. Jeden Tag werde ich auf der Straße beleidigt.“ Danach herrschte einen Moment Stille im Raum. Die Vorstellung davon, jeden Tag diskriminiert zu werden ist schrecklich und für einen deutschen Menschen in Deutschland nur eine Vorstellung. Für andere ist es bittere Realität und Alltag. Sich dessen bewusst zu werden ist vielleicht schmerzhaft, aber wichtig für den Kampf gegen Rassismus!

 

 

Genau diese Art von Ehrlichkeit und Offenheit hat nicht nur die Schüler und Schülerinnen beeindruckt. Ich habe große Achtung vor Menschen, die nicht nur schöne Dinge von sich preisgeben, sondern eben auch die weniger schönen Dinge, denn das kostet manchmal viel Überwindung. Schlechte Erfahrungen mit anderen zu teilen kann auch für die Person, die sie preisgibt, hilfreich sein. So hat eben jener Teamer am Ende des Tages in die Runde gesagt, dass für ihn so ein Projekttag, so ein offenes Gespräch mit den Schüler*innen, wie eine Art Therapie sei. Gemeinsam können wir uns gegenseitig darin bestärken, rassistischen Anfeindungen keine moralische Bedeutung beizumessen und ihnen etwas entgegenzustellen! Auch das Feedback der Schüler*innen ist am Ende des Tages positiv ausgefallen. Viele sprachen davon, dass sie etwas gelernt haben und lobten die abwechslungsreiche Gestaltung des Projekttags. Die Lehrerinnen, die bei ihren Klassen zugeschaut hatten, lobten ihre Schüler*innen für ihre Geduld, Aufmerksamkeit und fürs Mitdenken und Mitarbeiten. Und auch den Teamern gebührt ein großes Lob für die Umsetzung dieser Projekttage. Es erfordert ein gewisses Maß an Geduld und Ruhe, um brisante Themen in geregelte Strukturen zu bringen und Diskussionen nicht ausarten zu lassen. Dies haben sie jedoch geschafft, bei Erwachsenen und Kindern. Ich denke, dass jeder Mensch in dieser Schule, der etwas von der Projektwoche miterlebt hat – ob einen ganzen Tag oder nur einen Blick auf die Ausstellung – einen Denkanstoß bekommen hat. Bei manchen wurde mehr angestoßen, bei manchen weniger. Aber an niemandem ist die Projektwoche spurlos vorbeigegangen. Und jede noch so kleine Veränderung im Denken ist immerhin schon eine Veränderung. Manchmal sind wir uns dessen nicht bewusst, vielleicht merken wir erst Jahre später, dass ein Tag im Leben, ein Moment, im Nachhinein doch etwas zum Verständnis der Welt beigetragen hat und dass ein vergangenes Erlebnis die Gegenwart beeinflusst oder sogar die Zukunft. /al

 

 

 

 

 

 

10.01.2019

Mein Rückblick auf die Bildungsveranstaltungen des Weltladen Magdeburg 2018

19.10.2018

Reflexionsseminar: Utopisches Denken in der Bildungspraxis

Hallo Welt,

 

es wird auch dieses Jahr wieder eine Fortbildung geben, die sich anstatt konkreter Themen und Problemlagen übergreifenden Fragen der Bildungsarbeit widmet. Unsere Arbeit hat den Anspruch, Gesellschaft positiv zu gestalten und Dinge im Kleinen wie im Großen zu verändern. Letztes Jahr haben wir uns unter dem Motto „Bildest du noch oder wirkst du schon“ der Wirksamkeit unserer Bildungsansätze gewidmet und gelernt, dass neben Authentizität und Wertebewusstsein auch positive Visionen wichtig sind um Gestaltungspotenzial zu wecken.

 

Das Reflexionsseminar „Utopisches Denken in der Bildungsarbeit“ geht einen weiteren Schritt auf dem Weg aus der ‚Katastrophenpädagogik‘ heraus. Wir haben einen Referenten eingeladen, der uns im Seminarkontext bereits begeistert und auf seine sanfte und methodisch geschickte Art verführt hat, in kurzer Zeit eigenverantwortlich gesellschaftliche Luftschlösser zu bauen. Diese Erfahrung möchten wir mit euch teilen und erhoffen uns dadurch eine Stärkung der Bildungsarbeit und der handelnden Menschen. Und natürlich konkrete Inspiration, wie das utopische Moment in Inhalt, Haltung und Methode verankert sein und Menschen begeistern, aktivieren und verändern kann. Kommt zahlreich!

 

Reflexionsseminar „Utopisches Denken in der Bildungsarbeit“ 8.12. 9.30 – 17.00 Uhr im Einewelthaus Magdeburg.

Vorabendprogramm mit dem Film ‚Ein neues Wir‘ am 7.12. 19.30 im Cafe Verde. Der Film portraitiert 10 Gemeinschaften und Ökodörfer in acht Ländern, darüber lässt sich danach mit unserem Referenten Philipp P. Thapa vortrefflich diskutieren.

 

Veranstaltungsankündigung-Utopisches Denken

Trailer Film Ein neues Wir

 

10.10.2018

Coffee To Stay – Filmabend im ewh

Coffee To Stay – Filmabend im ewh

Popcornduft kitzelt meine Nase als ich das „einewelt haus magdeburg“ betrete. Ein kleiner Tisch ist mit schönen Mitbringseln aus Äthiopien geschmückt und verschiedene Flyern des Hilfswerkes Missio liegen zum mitnehmen bereit. Die Vorbereitungen für eine Kaffeezeremonie stehen in den letzten Zügen. Am vergangenen Freitagabend lud der Magletan e.V. zum Filmabend ins „einewelt haus“ ein. Der Film „Das Grüne Gold“ soll die Missstände, die in Äthiopien, wegen der großflächigen Enteignung und Rodung von Land herrschen, aufzeigen.

 

 

P1230593 Während die Zuschauer*innen gebannt den wunderschönen bis schrecklich kargen Impressionen des Filmes folgen, beginnt die Kaffeezeremonie. Diese wird von zwei jungen Frauen aus Eritrea durchgeführt. Der Kaffee knistert, als er in der kleinen Pfanne geröstet wird. Hunger, Armut, Gewalt. Der Duft von dem ersten Kaffee hüllt den Saal ein. Popcorn wird zum Kaffee gereicht. – Verlust von Geschichte, Kultur, Würde und der vertrauten Heimat. Ein zweiter Aufguss folgt und nimmt die Gäste ein Stückchen weiter mit in die kulturellen Gepflogenheiten des “Coffee to stay”.

 

 

P1230547chromatic Der Film birgt das Potential für Diskussionen! Umso schöner ist es, dass sich Schwester Kidist und Schwester Askalemariam aus Wush-Wush und Maria Faber des Hilfswerks Missio Zeit nehmen, um beim dritten Aufguss mit den Zuschauern über den Film und die aktuelle Situation vor Ort zu sprechen. P1230586

Ein facettenreicher Abend endet mit dem Bewusstsein, dass alles seinen Preis hat, aus Investitionen der Weltbank werden nicht nur Gewinner hervorgebracht und der bittere Nachgeschmack von Kaffee, hallt dort wo er herkommt meist länger nach als bei denen, die ihn konsumieren. Auf FairTrade Produkte zurückzugreifen, sollte, wenn möglich, an der Tagesordnung stehen. „Das Gute ist, dass wir in Afrika immer Hoffnung haben!“, stellt Schwester Kidist fest, „wir geben uns zufrieden, mit dem was wir haben und erfreuen uns an den kleinen Dingen des Lebens.“ /rao